Covid-19 trifft Arbeitsmarkt mit voller Wucht

Starker Anstieg der Arbeitslosen- und Kurzarbeiterzahlen

veröffentlicht am 30.04.2020

Nürnberg/Kempten/Memmingen (dl/rad). Die Corona-Krise schlägt mit voller Wucht auch auf den Arbeitsmarkt ein, die rosigen Zeiten sind erstmal vorbei. Bundesweit haben innerhalb eines Monats rund 370.000 Menschen ihre Arbeit verloren, die Arbeitslosenquote schnellte um 0,7 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent. Auch in der Region stieg die Quote – allgäuweit auf 3,3, im Wirtschaftsraum Memmingen auf 2,9 Prozent. Der Landkreis meldet eine Quote von 2,5 Prozent, eine Zunahme um 0,5 Prozentpunkte. Daneben hat die Kurzarbeit in Deutschland mit über 10 Millionen betroffenen Menschen ein bislang nicht gekanntes Ausmaß angenommen.

Die Pandemie hat den beruflichen Alltag in kürzester Zeit immens verändert. Ein erheblicher Teil der Wirtschaftstätigkeiten kam weitgehend zum Erliegen, wodurch der Arbeitsmarkt ebenfalls stark unter Druck geriet. Bereits in der zweiten Märzhälfte zeigten zahlreiche Betriebe eine Verkürzung der Arbeitszeit an. Diese Entwicklung setzte sich auch im April rasant fort. Bis Ende April haben im bayerischen Teil des Allgäus 6.954 Unternehmen für mehrere zehntausend Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt. Eine stark gedrosselte Produktionsauslastung, Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Hotels und Gastronomiebetriebe sowie Einkaufsmeilen belasteten den Arbeitsmarkt in einem seit Jahren nicht gekannten Ausmaß.

Agentur für Arbeit und Jobcenter konzentrieren ihre Kräfte in dieser Situation auf die Auszahlung von finanziellen Unterstützungsleistungen wie Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld, Kindergeld und Leistungen der sozialen Grundsicherung. Um die Gesundheit aller zu schützen, sind Anträge und weitere Nachweise online, per E-Mail oder postalisch einzureichen, denn persönliche Vorsprachen sind weiterhin nicht möglich.

„Arbeitnehmer und Betriebe stehen vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Wir wollen alle Betroffenen in dieser besonderen Situation unterstützen und durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld Entlassungen von Beschäftigten möglichst vermeiden“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Bis Ende April hat nahezu jeder dritte Betrieb, der in der Region mindestens einen Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt, Kurzarbeit angezeigt. In dieser schwierigen Zeit setzen wir alles daran, Leistungen zum Lebensunterhalt so zügig wie möglich auszuzahlen. Wir haben dazu im laufenden Betrieb Personalverschiebungen in die stark geforderten Bereiche vorgenommen.“

Kurzarbeit nimmt weiter zu

Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt deutlich erkennen. Alle Regionen des Agenturbezirks sind stark von Kurzarbeit betroffen.

Im April des vergangenen Jahres spielte das Thema Kurzarbeit auf dem Arbeitsmarkt keine Rolle, denn seinerzeit hatten lediglich 15 Betriebe eine entsprechende Anzeige hereingegeben. Der Vergleich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 vermittelt ebenfalls die derzeitige Dimension. Auf dem Höhepunkt im Mai 2009 hatten annähernd 500 Betriebe im Allgäu für knapp 15.000 Mitarbeiter Kurzarbeitergeld aus konjunkturellen Gründen erhalten.

Nun spüren nahezu alle Branchen betriebliche Einschränkungen. Neben Produktionsbetrieben arbeiten Handel, Gaststätten, Hotels, Dienstleister und viele weitere Bereiche mit reduzierter Kraft.

Kurzarbeitergeld – Voraussetzungen und Verfahren

Kurzarbeitergeld soll Arbeits- und Lohnausfall von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ausgleichen, der durch wirtschaftliche, unabwendbare und unvermeidbare Ereignisse eintritt.

Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer erhalten dann rund 60 Prozent des entfallenen Nettolohns, mit mindestens einem Kind sind es 67 Prozent. Das soll Arbeitnehmer im Beschäftigungsverhältnis halten und später eine schnelle Rückkehr in den „Regelbetrieb“ sicherstellen. Seit Kurzem werden Arbeitgebern zusätzlich auch die Sozialbeiträge für die Ausfallzeiten erstattet. Das entlastet Unternehmen, denn bisher mussten diese die SV-Beiträge auch für ausgefallene Arbeitsstunden zahlen.

Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten in einem Betrieb einen Arbeits- und Entgeltausfall von mehr als 10 Prozent haben. Auch das erleichtert den Bezug von Kurzarbeitergeld, denn vor der Pandemie musste in betroffenen Betrieben mindestens ein Drittel der Beschäftigten wegen reduzierter Arbeitszeit weniger Lohn erhalten. Kurzarbeitergeld können nur sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer beziehen. Für geringfügig Beschäftigte oder Selbstständige gilt das nicht.

Um Kurzarbeitergeld zu bekommen, sind zwei Schritte zu beachten. Zunächst muss ein Arbeitgeber Kurzarbeit anzeigen. Dadurch kann etwa die Höhe des zu erwartenden Arbeitsausfalls ermittelt werden. Die Anzeige muss spätestens am letzten Tag des Monats erfolgen, an dem verkürzt gearbeitet wird. Den Anzeigevordruck gibt es unter www.arbeitsagentur.de/eservices-unternehmen. Die Zugangsdaten um Kurzarbeit anzeigen zu können, erhält der Betrieb über den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit (Tel. 0800 4 5555 20).

Im zweiten Schritt zahlt der Arbeitgeber zunächst wie üblich den Lohn für tatsächlich geleistete Arbeit, für die Ausfallstunden geht der Betrieb in Vorleistung. Um das „vorgeleistete“ Kurzarbeitergeld erstattet zu bekommen, muss der Betrieb einen Antrag zusammen mit der monatlichen Abrechnungsliste bei der Agentur für Arbeit einreichen. Dafür hat er grundsätzlich drei Monate Zeit.

Eine Reihe von Betrieben befindet sich bereits seit einigen Monaten aus konjunkturellen Gründen in Kurzarbeit. Um auch diese Betriebe in der von Corona geprägten Zeit nicht allein zu lassen, hat der Gesetzgeber kürzlich die maximal mögliche Bezugszeit von Kurzarbeitergeld auf längstens 21 Monate ausgedehnt. Diese Regelung ist befristet bis zum 31. Dezember dieses Jahres.

(Grafiken: Agentur für Arbeit)