Das siebengeschossige Gebäude LEO1 an der Benninger Straße/Ecke Bergermühlstraße und das viergeschossige Wohnhaus LEO2 in der Leonhardstraße gehören zum Projekt LEBE. Hier entstehen 52 neue Appartements und Wohnungen. Fotos: Antje Sonnleitner
Memmingen (dl/as). Genau ein Jahr nach dem Spatenstich ist es geschafft: Mit dem Richtfest für das Wohnbauprojekt „LEBE“ hat die Siebendächer Baugenossenschaft einen bedeutenden Meilenstein im Memminger Osten gefeiert. Zahlreiche Gäste aus Verwaltung und Stadtrat nahmen an der Veranstaltung teil – darunter alle drei Bürgermeister der Stadt.
„Wir bauen nicht nur Gebäude. Wir schaffen Wohn- und Lebensraum – basierend auf Verantwortung und Nachhaltigkeit.“ Mit diesen Worten bezeichnete Josef Dietrich, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Siebendächer Baugenossenschaft, das Projekt als "besonderen Meilenstein" – für die Genossenschaft ebenso wie für den Stadtteil.
Größtes Wohnbauprojekt seit 40 Jahren
Mit „LEBE“ – benannt nach den Straßen Leonhardstraße und Benninger Straße – realisiert die Genossenschaft das größte Wohnbauprojekt im Memminger Osten seit vier Jahrzehnten. Insgesamt entstehen in zwei Gebäuden 50 genossenschaftliche Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 3.236 Quadratmetern. Die Investitionssumme beträgt rund 16 Millionen Euro.
Vorstand Markus Sonntag sprach beim Richtfest offen über die Herausforderungen der vergangenen Jahre: steigende Baukosten, Förderstopps und schwierige Finanzierungsbedingungen. „Das Projekt stand Spitz auf Knopf“, so Sonntag. Es habe schlaflose Nächte gegeben. Umso größer sei nun die Freude, im Zeitplan zu liegen. Die Bezugsfertigstellung ist für Frühjahr 2027 geplant.
Bezahlbarer Wohnraum in moderner Bauweise
Das Angebot reicht von Ein- bis Vierzimmerwohnungen:
- 8 Einzimmer-Apartments als Clusterwohnungen mit Gemeinschaftsraum
- 7 Zwei-Zimmer-Wohnungen
- 31 Drei-Zimmer-Wohnungen
- 4 Vier-Zimmer-Wohnungen
Rund 30 Prozent der Wohnungen sind öffentlich gefördert. Die Mieten liegen bei etwa 7 bis 8,50 Euro pro Quadratmeter für geförderte Wohnungen und zwischen 13 und 14 Euro pro Quadratmeter für frei finanzierte Einheiten. Insgesamt entstehen 63 Stellplätze, davon 44 in einer Tiefgarage.
Architektonisch setzt das Projekt auf eine nachhaltige Holz-Hybrid-Bauweise: Tragende Elemente aus Stahlbeton treffen auf vorgefertigte Holzrahmenkonstruktionen mit hinterlüfteter Holzfassade. Geheizt wird mittels Grundwasserwärmepumpe, die Wärmeverteilung erfolgt über eine Niedertemperatur-Fußbodenheizung. Dachbegrünung und ein Dachgarten sind ebenfalls vorgesehen.
Quartiersentwicklung mit Strahlkraft
Das Projekt geht auf die Städtebaufördermaßnahme „Soziale Stadt Ost“ zurück, die 2016 gestartet wurde. In einem Architektenwettbewerb 2020/2021 setzte sich das Büro Phase H Architekten durch. Für die Freiraumgestaltung zeichnet 317 Stadt- und Freiraumplanung verantwortlich.
Neben den Wohnungen entstehen im Erdgeschoss Gewerbeflächen für Gastronomie – eine Bäckerei mit Café und Außenbereich soll künftig den neu gestalteten Quartiersplatz beleben. Parallel gestaltet die Stadt Memmingen die Leonhardstraße und den Schießstattplatz verkehrsberuhigt um.
Oberbürgermeister Jan Rothenbacher lobte in seinem Grußwort die Wohnbaugenossenschaften als verlässliche Partner: „Hier geht es nicht um Rendite, sondern um Menschen, um die Stadt und darum, wie wir langfristig zusammenleben wollen.“ Er dankte der Siebendächer Baugenossenschaft für „Mut, Tatkraft und Kompetenz“.
Blick nach vorn und Kritik
Der Stadtteil werde Schritt für Schritt weiterentwickelt, weitere 70 Wohnungen sollen in der Bergermühlstraße entstehen. Doch dies erfordere Mut und Vertrauen und brauche Verlässlichkeit seitens der politischen Entscheidungsträger. „Wir brauchen eine Baupolitik, die das Machbare in den Mittelpunkt stellt", betonte Sonntag, „Wir sind Investoren, keine Spekulanten." Planungssicherheit sei entscheidend, um bezahlbaren und zukunftsfähigen Wohnraum zu schaffen.
Mit „LEBE“ entsteht somit nicht nur neuer Wohnraum – sondern ein neuer Mittelpunkt im Süden des Memminger Ostens. Ein Projekt, das das Quartier nachhaltig prägen dürfte.