IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Marc Lucassen (links) und IHK-Präsident Reinhold Braun. Foto: IHK Schwaben
Bayerisch-Schwaben (dl/as). Die wirtschaftliche Stimmung in Bayerisch-Schwaben hellt sich zu Beginn des Jahres 2026 leicht auf. Von einer nachhaltigen Wirtschaftswende kann aus Sicht der IHK Schwaben jedoch noch keine Rede sein. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage.
Der IHK-Konjunkturindex steigt gegenüber Herbst 2025 um drei Punkte auf 108 Zähler. Damit liegt er zwar über der Wachstumsschwelle von 100 Punkten, bleibt jedoch unter dem langjährigen Durchschnitt. „Der Wirtschaft gelingt ein Comeback auf Raten. Die sehr zurückhaltenden Investitions- und Beschäftigungspläne zeigen aber klar, dass wir weiter auf eine echte Wirtschaftswende warten“, erklärt Dr. Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben.
Erwartungen etwas besser, Investitionen bleiben verhalten
Während die aktuelle Geschäftslage von den Unternehmen überwiegend stabil eingeschätzt wird, haben sich die Erwartungen leicht verbessert: 21 Prozent rechnen mit einer besseren wirtschaftlichen Entwicklung, 17 Prozent mit einer Verschlechterung. Dennoch planen seit über zwei Jahren mehr Betriebe Stellen abzubauen als aufzubauen. Auch die Investitionsneigung im Inland bleibt schwach – viele Unternehmen investieren weiterhin eher im Ausland.
Branchen im Vergleich: Industrie wieder über der Wachstumsschwelle
Unterschiede zeigen sich zwischen den Branchen:
- Dienstleistungen für Unternehmen führen mit einem Index von 116 Punkten.
- Baugewerbe (112 Punkte) und Transportgewerbe (109 Punkte) verzeichnen spürbare Verbesserungen.
- Die Industrie erreicht mit 102 Punkten wieder die Wachstumszone – getragen unter anderem von der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
- Der Einzelhandel bleibt mit 96 Punkten unter der neutralen Marke.
Risiken nehmen weiter zu
Als größte Belastungen nennen die Unternehmen weiterhin die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (65 Prozent), die schwache Inlandsnachfrage (63 Prozent) sowie die hohen Arbeitskosten (60 Prozent). Letztere erreichen laut IHK ein neues Allzeithoch. Energiepreise und Fachkräftemangel verlieren dagegen etwas an Bedeutung.
Europa gewinnt an Bedeutung
Angesichts globaler Unsicherheiten richten viele Unternehmen ihren Blick stärker auf Europa. Drei Viertel der im Ausland aktiven Betriebe planen Investitionen in der Eurozone. Dagegen verlieren Märkte wie China an Attraktivität. „Europa bietet aktuell verlässlichere Handelsregeln“, so Lucassen.
IHK fordert mutigen Masterplan
IHK-Präsident Reinhold Braun fordert einen klaren wirtschaftspolitischen Kurs: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Ein wirtschaftliches Comeback entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch einen mutigen Masterplan für den Standort Deutschland.“ Dazu gehörten wettbewerbsfähige Steuern, weniger Bürokratie und bessere Anreize für Arbeit und Investitionen.