Wer über die Möglichkeiten und Risiken digitaler Medien kennt, kann sich besser vor Cybermobbing schützen. Symbolfoto: AOK
Memmingen (dl/as). Digitale Medien gehören für viele Jugendliche selbstverständlich zum Alltag. Sie bieten Austausch, Unterhaltung und soziale Teilhabe. Doch die Schattenseite wächst: Cybermobbing belastet immer mehr junge Menschen – oft mit gravierenden Folgen für ihre psychische und körperliche Gesundheit.
„Mobbing und Cybermobbing beeinträchtigen junge Menschen meist massiv in ihrem psychosozialen Wohlbefinden“, erklärt Klaus Schöllhorn, Gesundheitsexperte bei der AOK Memmingen-Unterallgäu.
Laut dem Deutschen Schulbarometer 2025/26 der Robert Bosch Stiftung sind bundesweit rund 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler mindestens einmal pro Monat von Cybermobbing betroffen. Für die Studie wurden 1.507 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil befragt.
Was ist Cybermobbing?
Beim klassischen Mobbing werden Menschen über längere Zeit beleidigt, ausgegrenzt oder gezielt gedemütigt. Cybermobbing verlagert diese Angriffe in die digitale Welt – etwa über soziale Netzwerke, Chatgruppen, E-Mails oder Online-Foren.
„Neben verbalen Angriffen kommen häufig auch manipulierte oder herabsetzende Fotos und Videos zum Einsatz“, so Schöllhorn.
Besonders problematisch: Inhalte können gespeichert, schnell verbreitet und oft nur schwer vollständig gelöscht werden. Dadurch erleben Betroffene die Angriffe dauerhaft und oft öffentlich sichtbar.
Folgen für die Gesundheit
Für Betroffene bedeutet Cybermobbing häufig enormen psychischen Druck. Viele verlieren ihr Selbstvertrauen, entwickeln Selbstzweifel oder ziehen sich sozial zurück.
„Cybermobbing kann einen Menschen langfristig krank machen und verschiedene Symptome hervorrufen“, erklärt Schöllhorn.
Mögliche Folgen sind unter anderem:
- Schlafstörungen
- Kopfschmerzen
- Magen-Darm-Beschwerden
- Herzklopfen
- Angstzustände und Depressionen
Langfristig können sogar ernsthafte gesundheitliche Probleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen.
So lässt sich Cybermobbing vorbeugen
Ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten kann helfen, das Risiko von Cybermobbing zu reduzieren.
„Je mehr man preisgibt, desto angreifbarer macht man sich“, sagt Klaus Schöllhorn.
Wichtige Tipps:
- Freundschaftsanfragen sorgfältig prüfen
- Persönliche Daten nur mit vertrauten Personen teilen
- Vorsichtig mit Fotos und Videos umgehen
- Beleidigende Inhalte blockieren und melden
- Screenshots als Beweise sichern
Wichtig zu wissen: Der digitale Raum ist kein rechtsfreier Raum. Wer beleidigt, bedroht oder in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt wird, kann Anzeige bei der Polizei erstatten.
Präventionsprogramm für Berufsschulen
Die AOK unterstützt das kostenfreie Präventionsprogramm „Wir alle gegen Mobbing und Gewalt im Netz“ des Bündnis gegen Cybermobbing e.V. speziell für Berufsschulen.
Lehrkräfte erhalten praxisnahes Wissen zu digitaler Gewalt, rechtlichen Grundlagen sowie Handlungsmöglichkeiten bei Prävention und Intervention.
Zusätzlich begleiten Expertinnen und Experten die Berufsschülerinnen und Berufsschüler in Workshops. Dort lernen sie:
- sich selbst und andere vor Cybermobbing zu schützen
- respektvoll online zu kommunizieren
- Konflikte frühzeitig zu erkennen und angemessen zu handeln
Ziel der Schulungen ist ein nachhaltiger Kulturwandel an Schulen – getragen von Schulleitung, Lehrkräften, Auszubildenden und Eltern gleichermaßen.
Weitere Informationen zu diesem Angebot gibt es bei Klaus Schöllhorn von der AOK in Memmingen-Unterallgäu über E-Mail: klaus.schoellhorn@by.aok.de.