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Großes Interesse am FREIheitsforum Memmingen

Erfolgreiches Debüt – Fortsetzung für 2027 geplant

veröffentlicht am 17.03.2026
Freiheitsforum

Bei der Podiumsdiskussion (v.l.): Sandra Holtrup (Universität Augsburg), Stephanie Weißfloch (Donum Vitae Memmingen), Dr. Liane Wörner (Universität Konstanz) und Moderatorin Dana Hoffmann. (Foto: Winfried Schwarz/ Stadt Memmingen)

Memmingen (dl/as). Mit einer gut besuchten Podiumsdiskussion im Antoniersaal Memmingen ist das neue Dialog- und Kulturformat FREIheitsforum Memmingen am 12. März zu Ende gegangen. Rund 80 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit zum Austausch über ein gesellschaftlich hoch relevantes Thema.

Über einen Zeitraum von zwei Wochen widmete sich die Stadt Memmingen dem § 218 des deutschen Strafgesetzbuches und damit verbunden der Lebenswirklichkeit von Frauen im Kontext von Schwangerschaftsabbrüchen.

Viel Gesprächsbedarf – auch Jahrzehnte später

Auch 37 Jahre nach den Memminger Prozessen zeigt sich, dass das Thema nichts an Aktualität verloren hat. Neben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen beteiligte sich zunehmend auch ein jüngeres Publikum an den Diskussionen. Dabei wurde deutlich, dass weiterhin Informationsbedarf besteht – sowohl auf politischer und rechtlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene.

Vielfältiges Programm aus Kultur und Dialog

Das FREIheitsforum verband unterschiedliche Formate und Perspektiven:

  • Eine Spurensuche im Stadtarchiv zeigte, wie schwierig der Zugang zu Originaldokumenten zu den Memminger Prozessen teilweise noch ist. Ergänzend wurden neue Materialien aus zivilgesellschaftlichen Organisationen in den Bestand aufgenommen.
  • Die Vorführung des Films „Mutter aus Passion“ im Stadtmuseum stieß auf großes Interesse und regte intensive Gespräche an.
  • Das Berliner Theaterkollektiv Hystera brachte im Landestheater Schwaben mit „Der Uteruskomplex – Ein Schauprozess“ Zeitzeuginnenberichte und aktuelle Perspektiven eindrucksvoll auf die Bühne. Beide Vorstellungen waren ausverkauft.

Podiumsdiskussion beleuchtet aktuelle Herausforderungen

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass es weiterhin Defizite im Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen gibt. Insbesondere die medizinische Versorgungslage in Teilen Süddeutschlands wurde kritisch bewertet.

Zugleich wurde betont, dass Beratungsangebote eine wichtige Rolle spielen. Diskutiert wurde jedoch auch die gesetzlich vorgeschriebene Beratungspflicht. Einigkeit bestand darin, dass es einer stärkeren gesellschaftlichen Auseinandersetzung und Enttabuisierung des Themas bedarf.

Engagement für Selbstbestimmung und Gleichstellung

Das FREIheitsforum knüpfte auch an historische Entwicklungen an: Bereits Ende der 1980er Jahre setzten sich Frauen in Memmingen für ihr Recht auf Selbstbestimmung ein. Aus dieser Bewegung heraus entstand ein Netzwerk von Initiativen, das sich bis heute für Gleichstellung engagiert.

„In Zeiten, in denen Gleichstellung erneut in Frage gestellt wird, stehen wir fest zu unserem Einsatz für Freiheit, Selbstbestimmung und gerechte Teilhabe aller Frauen“, betont die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Memmingen.

Fortsetzung geplant

Aufgrund des großen öffentlichen Interesses soll das FREIheitsforum auch künftig fortgeführt werden. Die nächste Ausgabe ist für 2027 geplant und wird erneut Raum für gesellschaftliche Debatten sowie kulturelle Formate bieten.

„Das große öffentliche Interesse an dem neuen Format hat uns darin bestärkt, im nächsten Jahr mit einem neuen Thema in die Fortsetzung zu gehen“, resümiert der Leiter des Kulturamts.

Veranstaltet wurde das FREIheitsforum Memmingen durch das Kulturamt der Stadt Memmingen. Das Programm der ersten Ausgabe entstand in enger Kooperation mit folgenden städtischen und nicht-städtischen Einrichtungen und Initiativen (in alphabetischer Reihenfolge): Frauengeschichtswerkstatt Memmingen e.V., Frauenhaus Memmingen, Frauennetzwerk Memmingen e.V., Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Memmingen, Stadtarchiv Memmingen, Stadtbibliothek Memmingen, Stadtmuseum Memmingen, Landestheater Schwaben.