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Haushalt 2026: „Ohne Verzicht wird es nicht gehen“

Städtischer Haushalt unter Druck - Verwaltung wird umgebaut

veröffentlicht am 27.03.2026

Memmingen (dl/as). Die Stadt Memmingen kämpft mit steigenden Ausgaben und sinkenden Zuweisungen: Der Haushalt 2026 wächst auf 256 Millionen Euro – gleichzeitig zwingt die Lage zu neuen Schulden und einem verschärften Konsolidierungskurs.

Der Haushalt 2026 macht die angespannte Lage deutlich: Bei einem Gesamtvolumen von rund 256 Millionen Euro plant die Stadt Investitionen von 43,8 Millionen Euro – muss dafür aber 14,3 Millionen Euro neue Schulden aufnehmen.

Kämmerer Markus Weiß brachte es in der Plenumssitzung des Memminger Stadtrats mit einem ungewöhnlichen Vergleich auf den Punkt: „Auch der Haushalt brennt“, sagte er während der Sitzung – begleitet vom Alarm seines Feuerwehrmelders.

Wichtige Eckdaten:

  • Rund 50 Mio. Euro Gewerbesteuer eingeplant
  • Rekordumlage von 23 Mio. Euro an den Bezirk
  • Rückgang der Schlüsselzuweisungen auf 11,6 Mio. Euro
  • Gesamtverschuldung steigt auf 87,8 Mio. Euro

„Wir spüren den Wasserfall im Nacken“

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Jan Rothenbacher stellte Weiß den Etat vor. Rothenbacher zeichnete ein klares Bild der Lage:

Deutschlandweit verschulden sich Kommunen jährlich in Milliardenhöhe – ein Trend, der auch Memmingen unter Druck setzt. „Wir spüren den Wasserfall im Nacken“, so der OB zur aktuellen Entwicklung.

Verwaltung wird grundlegend umgebaut

In den vergangenen Jahren hat die Stadt bereits umfassend reagiert:

  • Überarbeitung veralteter Satzungen
  • Modernisierung der Verwaltungsstrukturen
  • Einführung eines Prozessmanagements
  • Aufbau eines zentralen Gebäudemanagements

Auch der Haushaltsplan selbst wurde neu strukturiert – mit dem Ziel, mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu schaffen.

Sparen beim Personal und bei Standards

Ein zentraler Hebel bleibt das Personal: Jede Wiederbesetzung wird kritisch geprüft. Im bayernweiten Vergleich wächst Memmingen bei den Personalkosten langsamer als andere Kommunen.

Zugleich werden Standards reduziert – von Büroausstattung bis hin zu Veranstaltungen. „Es gibt auch unangenehme Entscheidungen“, räumte Rothenbacher ein.

Investitionen bleiben – trotz Krise

Trotz aller Sparbemühungen hält die Stadt an wichtigen Investitionen fest. Große Ausgabenbereiche sind unter anderem:

  • Klinikum
  • Schulen und Kitas
  • Energieversorgung
  • kommunale Einrichtungen

„Während andere Städte kaum noch investieren, machen wir noch viel“, betonte Kämmerer Weiß.

Appell an Bund und Land

Langfristig sieht die Stadt ihre Handlungsspielräume begrenzt. Rothenbacher forderte erneut Unterstützung von übergeordneten Ebenen:

„Wer bestellt, muss auch bezahlen.“ Ohne strukturelle Änderungen sei ein dauerhafter Haushaltsausgleich kaum realistisch.

Konsolidierungsplan wird verschärft

Parallel zum Haushalt hat der Stadtrat die Fortschreibung des Konsolidierungskonzepts mehrheitlich beschlossen. Ziel bleibt ein ausgeglichener Haushalt in den kommenden Jahren.

Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick

Der aktualisierte Konsolidierungsplan sieht unter anderem vor:

  • Grundsteuer erhöhen: Hebesatz steigt von 400 auf 440 Punkte
  • Ausgaben einfrieren: Wo möglich, werden Mittel vorerst nicht erhöht
  • Gebäudemanagement bündeln: Zentrale Steuerung für mehr Effizienz
  • Wohnungsbestand reduzieren: Verkauf einzelner Objekte zur Sicherung der verbleibenden Substanz
  • Gebühren anpassen: Friedhofs- und Kita-Gebühren steigen, neue Abgaben werden geprüft
  • Haushaltssperre: 40 Prozent der beeinflussbaren Ausgaben bis Ende September blockiert

Einschnitte nicht ausgeschlossen

Kämmerer Weiß machte deutlich, dass auch spürbare Einschnitte notwendig werden könnten: Leistungen könnten reduziert, Servicezeiten verkürzt und im Extremfall Einrichtungen geschlossen werden.

„Ohne Verzicht wird es nicht gehen“, so Weiß.

Balanceakt für die kommenden Jahre

Memmingen steht damit vor einem schwierigen Spagat: Investieren, um die Zukunft zu sichern – und gleichzeitig sparen, um handlungsfähig zu bleiben. Der eingeschlagene Konsolidierungskurs dürfte die Stadt noch über Jahre begleiten.