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Nachfolgeproblem im Handwerk - viele Betriebe vor dem Aus

HWK Schwaben richtet 10-Punkte-Plan an die Politik

veröffentlicht am 14.01.2026
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Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben. Foto: HWK

Schwaben (dl/as). Bis zum Jahr 2029 könnten bundesweit weit über 100.000 Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen schließen, zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Nachfolge-Monitoring der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Hauptgründe sind fehlende Nachfolger sowie eine stetig wachsende bürokratische Belastung.

Viele Handwerksbetriebe in Deutschland stehen in den kommenden Jahren vor einer ungewissen Zukunft. Auch im schwäbischen Handwerk verschärft sich die Lage zunehmend. Im Bezirk der Handwerkskammer (HWK) für Schwaben ist rund ein Viertel der Unternehmerinnen und Unternehmer älter als 60 Jahre, während die Suche nach geeigneten Nachfolgen immer schwieriger wird.

Wirtschaftlich gesunde Betriebe verschwinden vom Markt

„Die in der KfW-Studie genannten Ursachen für das Scheitern von Unternehmensübergaben decken sich vollständig mit unseren eigenen Erfahrungen", erklärt Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben. "Ein gefährlicher Mix aus Nachwuchs- und Fachkräftemangel, hohen Steuern und Sozialabgaben, steigenden Energiepreisen sowie einer immensen bürokratischen Belastung führt dazu, dass erfolgreiche und wirtschaftlich gesunde Betriebe zunehmend still vom Markt verschwinden.“

Hohe Hürden bei Übergaben und Gründungen

Neben fehlendem Nachwuchs stellen insbesondere Finanzierungshürden, rechtliche Unsicherheiten und komplexe Verfahren große Hemmnisse dar. Gerade junge Gründerinnen und Gründer sowie potenzielle Nachfolger verfügen häufig nicht über ausreichende Eigenmittel oder Sicherheiten. Gleichzeitig schrecken hohe Fixkosten durch Sozialabgaben, Versicherungen und Dokumentationspflichten viele Interessierte vor dem Schritt in die Selbständigkeit ab.

Auch im Bereich der beruflichen Bildung sieht die HWK Schwaben strukturellen Nachholbedarf. Der Meisterbrief ist nach wie vor eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Betriebsführung und Nachfolge – jedoch verhindern lange Wartezeiten, begrenzte Kapazitäten in den Bildungsstätten und eine im Vergleich zur akademischen Ausbildung ungleiche Förderung viele potenzielle Gründer und Übernehmer.

10-Punkte-Papier als Appell an die Politik

Vor diesem Hintergrund wendet sich die Handwerkskammer für Schwaben gemeinsam mit den bayerischen Partnerkammern mit einem 10-Punkte-Papier an die Politik. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für Betriebsübergaben und Neugründungen spürbar zu verbessern.

„Wir halten es für dringend notwendig, jetzt zu handeln“, so Wagner. „Die Betriebe brauchen keine weiteren Ankündigungen, sondern konkrete, schnelle und praxistaugliche Maßnahmen, die Unternehmertum im Handwerk wieder attraktiver machen.“

Die zehn Kernforderungen des Handwerks – zusammengefasst:

  • Mehr gesellschaftliche Anerkennung für Unternehmertum, unter anderem durch wirtschaftliche Bildung und gezielte Nachfolge- und Gründungsberatung.
  • Vereinfachte und planbare Verfahren, etwa durch einen digitalen One-Stop-Shop für Gründungen und Betriebsübernahmen.
  • Besserer Zugang zu Finanzierung und Fördermitteln, insbesondere für kleine Betriebe und den ländlichen Raum.
  • Gleichwertige Förderung beruflicher Bildung, inklusive einer staatlich unterstützten Meisterausbildung und moderner Bildungsstätten.
  • Spürbarer Bürokratieabbau und steuerliche Planungssicherheit, vor allem in den ersten Jahren nach Gründung oder Übernahme.
  • Praxistaugliche Regelungen bei der Erbschaft- und Schenkungssteuer, die Nachfolgen nicht zusätzlich erschweren.
  • Bezahlbare und einfache soziale Absicherung für Gründerinnen, Gründer und Nachfolger.
  • Gezielte Unterstützung von Familiennachfolgen durch Coaching, Mediation und strukturierte Übergabemodelle.
  • Stärkung von Stadt und Land gleichermaßen, etwa durch bezahlbare Gewerbeflächen und bessere Infrastruktur.
  • Faire Wettbewerbsbedingungen, insbesondere durch konsequenteres Vorgehen gegen Schwarzarbeit.

Handwerk als Rückgrat der regionalen Wirtschaft

Das bayerische Handwerk ist ein zentraler Pfeiler von Wertschöpfung, Ausbildung und regionaler Daseinsvorsorge. Damit Betriebe erfolgreich übergeben oder neu gegründet werden können, müssen Prozesse vereinfacht, Finanzierung gesichert und soziale Absicherung bezahlbar gestaltet werden.

Mit dem 10-Punkte-Papier zeigt die HWK Schwaben konkrete und umsetzbare Wege auf, um den Generationenwechsel im Handwerk zu sichern und die Zukunft der Betriebe nachhaltig zu stärken.