Die Lebensmittelkette Feneberg hat ein Schutzschirmverfahren beantragt. Wie geht es jetzt weiter? Unser Bild zeigt einen Teil des Feneberg-Marktes in der Memminger Dr.-Karl-Lenz-Straße. Foto: Wolfgang Radeck
Memmingen (as/dl). Wie steht es um die Nahversorgung in der Memminger Innenstadt? Diese Frage beschäftigt derzeit nicht nur viele Bürger, sondern auch die Kommunalpolitik. Hintergrund ist das laufende Schutzschirmverfahren der Lebensmittelkette Feneberg. Besonders im Fokus steht dabei die Filiale in der Kalchstraße – ein zentraler Baustein der fußläufigen Versorgung in der Altstadt.
Die CSU/FDP-Stadtratsfraktion hat nun einen Antrag eingebracht, mit dem sie frühzeitig Vorsorge treffen will. Ziel ist es, für den Fall einer möglichen Schließung der Innenstadt-Filiale vorbereitet zu sein und die Nahversorgung dauerhaft zu sichern.
Ein Markt mit besonderer Bedeutung für die Altstadt
„Die Feneberg-Filiale ist ein wesentliches Angebot für die Nahversorgung unserer Innenstadt“, heißt es im Antrag, den Stadtrat Horst Holas im Namen der CSU/FDP-Fraktion an Oberbürgermeister Jan Rothenbacher gerichtet hat. Gerade die Altstadt sei in besonderem Maße auf ein wohnortnahes Lebensmittelangebot angewiesen – insbesondere ältere Menschen, Familien sowie Bürgerinnen und Bürger ohne eigenes Auto seien darauf angewiesen.
Ein Wegfall des Marktes würde aus Sicht der Antragsteller nicht nur die Versorgungslage verschlechtern, sondern auch die Attraktivität und Lebensqualität der Innenstadt spürbar beeinträchtigen.
Wirtschaftsförderung soll frühzeitig aktiv werden
Konkret fordert die Fraktion, dass die städtische Wirtschaftsförderung frühzeitig tätig wird und – falls nötig – mögliche Nachnutzungen prüft. Durch Kontakte zu gängigen Lebensmittelhändlern sollen tragfähige Lösungen ausgelotet werden, um auch künftig ein vergleichbares Angebot am Standort zu ermöglichen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um klassische Supermarktmodelle. Auch alternative Ansätze wie automatisierte Ladenkonzepte, Kooperationsmodelle mit regionalen Anbietern oder die Nutzung geeigneter Förderprogramme sollen in den Blick genommen werden. Die Fraktion sieht den Antrag zugleich als Anlass, die Nahversorgung insgesamt stärker in die Innenstadtentwicklung einzubetten.
Über die entsprechenden Aktivitäten soll die Wirtschaftsförderung regelmäßig in den städtischen Gremien berichten.
Stadt Memmingen: Standort weiterhin attraktiv
Parallel dazu hat die Stadt Memmingen auf Anfrage der "Lokalen" Stellung genommen. Dabei verweist sie zunächst darauf, dass Aussagen zur wirtschaftlichen Lage einzelner Filialen oder zu möglichen Schließungen primär beim Unternehmen Feneberg selbst liegen. Gleichwohl macht die Stadt deutlich, welche Bedeutung der Lebensmittelhändler für Memmingen insgesamt hat.
Feneberg sei mit seinen Standorten ein sehr wichtiger Nahversorger für die Stadt. Neben der Filiale in der Kalchstraße betreibt das Unternehmen auch einen Markt in der Dr.-Karl-Lenz-Straße. Ob einzelne Standorte im Zuge des Schutzschirmverfahrens betroffen sein könnten, lasse sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.
Gleichzeitig zeigt sich die Stadt zuversichtlich: Sowohl die Altstadt mit ihrer typischen Nahversorgungsstruktur als auch das Gewerbegebiet Nord mit großem Einzugsbereich seien attraktive Standorte. Vor diesem Hintergrund bestehe berechtigte Hoffnung, dass im Rahmen des laufenden Verfahrens gute Lösungen für das Unternehmen und seine Filialen gefunden werden.
Weiterführung bzw. Neubesetzung notfalls denkbar
Falls dies nicht der Fall sein sollte, wird es einen "Plan B" geben: "Unser Wirtschaftsförderer steht, wie in jedem dieser Fälle üblich, mit dem Unternehmen im direkten Kontakt", informiert die Pressestelle der Stadt. "Sollte ein akuter Handlungsbedarf bestehen, sind wir mit verschiedenen Ansprechpartnern anderer Nahversorger vernetzt, mit denen wir uns wegen einer Weiterführung bzw. Neubesetzung der Filiale in Verbindung setzen würden."
Präventiv denken statt reagieren
Der Antrag der CSU/FDP-Fraktion zielt genau auf diesen Punkt ab: nicht erst dann zu handeln, wenn Fakten geschaffen sind. Vielmehr solle präventiv geprüft werden, welche Optionen es gibt, um die Nahversorgung in der Innenstadt langfristig zu sichern – unabhängig vom Ausgang des Feneberg-Verfahrens.
Damit greift die Diskussion ein zentrales Thema der Stadtentwicklung auf. Denn eine lebendige Innenstadt lebt nicht nur von Gastronomie und Einzelhandel, sondern auch von einer verlässlichen Versorgung des täglichen Bedarfs. Die kommenden Monate dürften zeigen, wie sich die Situation entwickelt – und welche Rolle Stadt und Politik dabei einnehmen.