Ein Brückenbauer: Michael Stahl sprach im Kaminwerk über den Weg der Vergebung und der Liebe. Foto: Sonnleitner
Memmingen (dl/as). Rund 320 Besucherinnen und Besucher sind am 19. März ins Memminger Kaminwerk gekommen, um den Vortrag „Kein Herz aus Stahl“ von Michael Stahl zu erleben – und wurden mit einem ebenso bewegenden wie inspirierenden Abend belohnt.
Eingeladen hatte der Verein Notausgang e.V., der mit dem Thema bewusst einen Nerv traf: Gewalt, Angst und Ausgrenzung – Erfahrungen, die auch Michael Stahl aus seiner eigenen Kindheit kennt. Offen und eindrucksvoll schilderte er seinen Lebensweg: Aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen mit einem alkoholkranken und gewalttätigen Vater, suchte er Halt im Kampfsport und machte später Karriere als Bodyguard. Er arbeitete unter anderem für Persönlichkeiten wie Muhammad Ali und beim Papstbesuch.
Der Weg der Vergebung
Doch trotz äußerem Erfolg blieb lange eine innere Leere. Erst durch die Auseinandersetzung mit sich selbst, den Weg der Vergebung und die Erfahrung von Liebe fand Stahl zu neuer Stärke. Besonders bewegend: die Versöhnung mit seinem Vater und der Wunsch, auch innerhalb seiner Familie Brücken zu bauen. Wie tief die Brüche waren, machte an diesem Abend auch ein persönlicher Beitrag seines Cousins Andreas deutlich – über 40 Jahre lang bestand kein Kontakt innerhalb der Verwandtschaft.
Mit großer Offenheit sprach Stahl darüber, wie wichtig es ist, über Gefühle, Ängste und eigenes Versagen zu sprechen. Sein eindringlicher Appell an das Publikum: den Mut zu finden, Konflikte anzugehen, aufeinander zuzugehen und Versöhnung aktiv zu suchen.
"Viele fühlten sich ermutigt“
Der Verein Notausgang zeigte sich überwältigt von der Resonanz. Geschäftsführer Conrad Reinker betonte: „Wir haben nie mit so vielen Besuchern gerechnet. Viele waren tief berührt und fühlten sich ermutigt.“
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Gruppe „Auftakt“, die mit ihren einfühlsamen Klängen für eine besondere Atmosphäre sorgte.