Oberbürgermeister Jan Rothenbacher bei der Eröffnung des Arbeitstreffens "Wärmetisch" im März 2025. Foto: Manuela Frieß/ Pressestelle Stadt Memmingen
Memmingen (dl/as). Mit der kommunalen Wärmeplanung will Memmingen bis 2040 klimaneutral werden. Der nun vorliegende Entwurf stößt beim Verein Klimainitiative Memmingen (KIMM) grundsätzlich auf Zustimmung – doch der Verein mahnt Nachbesserungen an.
In einer aktuellen Stellungnahme fordert KIMM unter anderem soziale Absicherung, kommunale Kontrolle und einen klaren Ausstieg aus Gas und Biogas.
Was ist die kommunale Wärmeplanung?
Die Stadt Memmingen arbeitet seit Ende 2024 an einer Kommunalen Wärmeplanung (KWP). Sie soll aufzeigen, wie die Wärmeversorgung von Wohngebäuden, Gewerbe und Industrie künftig klimaneutral organisiert werden kann. Ziel ist eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung bis spätestens 2040.
Die Wärmeplanung ist kein verbindliches Gesetz, sondern ein strategischer Fahrplan. Sie soll Orientierung bieten: Wo sind Wärmenetze sinnvoll? Wo braucht es dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen? Und welche erneuerbaren Energiequellen stehen lokal zur Verfügung?
Begleitet wird der Prozess vom sogenannten „Wärmetisch“, in dem Verwaltung, Politik, Stadtwerke, Wirtschaft, Handwerk und weitere Akteure vertreten sind. Im Juli ist zudem eine Bürgerveranstaltung geplant.
Grundsätzliche Zustimmung von KIMM
Die Klimainitiative Memmingen e. V. (KIMM) begrüßt in ihrer Stellungnahme ausdrücklich, dass die Stadt den Prozess frühzeitig angestoßen hat. Aus Sicht des Vereins schafft die Wärmeplanung Planungssicherheit für Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen und sei ein zentraler Baustein für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und soziale Gerechtigkeit.
Positiv bewertet KIMM vor allem die ambitionierte Zielsetzung und den frühen Start der Planungen. Dadurch könnten Investitionen langfristig und nachhaltig ausgerichtet werden.
Forderung nach kommunaler Kontrolle
Ein zentraler Punkt der Stellungnahme ist die geplante Wärmegesellschaft, die künftig eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Wärmewende spielen soll. KIMM spricht sich deutlich dafür aus, dass die Stadt Memmingen oder die Stadtwerke die Mehrheit an dieser Gesellschaft halten.
Nur so sei gewährleistet, dass Entscheidungen am Gemeinwohl orientiert bleiben – etwa bei Wärmepreisen, Versorgungssicherheit und Klimazielen. Eine Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern durch privates Kapital befürwortet der Verein ausdrücklich, allerdings unter kommunaler Führung.
Gasnetz-Rückbau: Früh informieren, sozial absichern
Kritisch begleitet KIMM die geplante Stilllegung des Gasnetzes. Zwar sei dieser Schritt für eine klimaneutrale Zukunft notwendig, er stelle aber viele Haushalte vor große Herausforderungen.
Der Verein fordert daher:
- frühzeitige, transparente Information über Zeitpläne und Alternativen
- verständliche Hinweise zu Fördermöglichkeiten
- soziale Begleitmaßnahmen, insbesondere für einkommensschwache Haushalte
Ohne soziale Absicherung bestehe die Gefahr, dass die Wärmewende zur finanziellen Belastung werde.
Biogas nur als kurze Übergangslösung
Besonders kritisch sieht KIMM den im Entwurf vorgesehenen Einsatz von Biogas in einer Übergangsphase für die Kernstadt. Zwar sei Biogas erneuerbar, dennoch verursachten Herstellung und Verbrennung relevante Treibhausgasemissionen. Zudem sei Biogas ein teurer Energieträger.
Falls Biogas genutzt werde, müsse dies:
- strikt zeitlich begrenzt sein (Ausstieg spätestens 2035)
- ausschließlich aus Rest- und Abfallstoffen stammen
- möglichst effizient, etwa in Blockheizkraftwerken, eingesetzt werden
Der Anbau von Energiepflanzen für Biogas lehnt KIMM wegen geringer Wirkungsgrade ausdrücklich ab.
Diskussion im Stadtrat steht bevor
Die Stellungnahme der Klimainitiative wurde dem Oberbürgermeister und den Stadträtinnen und Stadträten übermittelt. Die kommunale Wärmeplanung soll im nächsten Stadtratsplenum beraten werden. Damit rückt die Frage in den Fokus, wie ambitioniert, sozial ausgewogen und kommunal gesteuert Memmingens Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung tatsächlich sein wird.