Memmingen (dl/as). Ein großflächiger Stromausfall über mehrere Tage gilt als unwahrscheinlich – ausgeschlossen ist er jedoch nicht. Spätestens seit dem Sabotagefall in Berlin stellt sich auch in Memmingen die Frage: Was passiert, wenn plötzlich nichts mehr geht? Die Stadt hat vorgesorgt und setzt auf klare Strukturen, Notstrom und Information der Bevölkerung.
Ein länger andauernder Stromausfall – ein sogenannter Blackout – ist kein alltägliches Szenario, gehört aber zur umfassenden Krisenvorsorge. Genau darauf hat sich die Stadt Memmingen in den vergangenen Jahren vorbereitet. Bereits 2023 und 2024 wurden Strategien und Maßnahmen sowohl für die Bevölkerung als auch für Feuerwehr, Rettungsdienste, THW und Polizei erarbeitet und kommuniziert.
Herzstück dieser Vorsorge ist die Blackout-Karte, die an alle Haushalte verteilt wurde. Sie zeigt auf einen Blick, wo im Ernstfall Hilfe zu finden ist und welche Anlaufstellen auch ohne Strom funktionieren.
Hilfe auch ohne Telefon und Handy
Fallen Telefonnetz und Mobilfunk aus, müssen Notfälle dennoch gemeldet werden können. In Memmingen ist das gewährleistet: Bei einem flächendeckenden Stromausfall sind spätestens nach zwei Stunden Feuerwehrhäuser, Dienststellen von Rettungsorganisationen, das THW sowie die Polizeiinspektion besetzt. Dort können Bürgerinnen und Bürger Notfälle persönlich melden – die Weitergabe erfolgt per Funk.
Die Stadthalle als „Leuchtturm“
Ein zentrales Element der Blackout-Strategie ist die Stadthalle Memmingen. Nach spätestens vier Stunden ohne Strom wird sie als sogenannter Leuchtturm eingerichtet. Hier erhalten Menschen Unterstützung, die Notstrom benötigen, Trinkwasser brauchen oder anderweitig Hilfe suchen. Die Stadthalle dient damit als zentrale Anlaufstelle für die Bevölkerung.
Trinkwasserversorgung für bis zu zehn Tage gesichert
Ohne Strom kein Wasser – das gilt grundsätzlich auch für Memmingen. Doch für diesen Fall ist vorgesorgt:
Zwei Förderbrunnen mit insgesamt sechs Pumpen versorgen die Stadt mit Trinkwasser. Bei einem Blackout übernehmen Notstromaggregate die Versorgung. Laut Stadt ist die Trinkwasserversorgung damit sieben bis zehn Tage lang gesichert.
Klinikum Memmingen: medizinisch autark
Besonders sensibel ist die medizinische Versorgung. Das Klinikum Memmingen ist dafür sehr gut vorbereitet: Mit Notstromaggregaten und ausreichenden Dieselvorräten kann es mindestens sieben Tage autark betrieben werden. Kritische Bereiche wie Intensivstationen und OPs sind zusätzlich batteriegepuffert, sodass die Stromversorgung dort unterbrechungsfrei gewährleistet ist.
Die Notstromsysteme werden regelmäßig getestet, auch reale Ausfallszenarien werden geübt, um im Ernstfall reibungslos reagieren zu können.
Wie wahrscheinlich ist ein Blackout?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) stuft einen mehrtägigen, flächendeckenden Stromausfall als äußerst unwahrscheinlich ein. Dennoch zeigen Extremwetterlagen oder gezielte Sabotageakte, dass solche Szenarien möglich sind. Entsprechend wird der Schutz der kritischen Infrastruktur im Rahmen des Zivilschutzes weiter ausgebaut – sowohl personell als auch fachlich.
Eigenvorsorge bleibt wichtig
Neben den städtischen Maßnahmen spielt auch die persönliche Vorsorge eine entscheidende Rolle. Informationen dazu stellt die Stadt Memmingen online zur Verfügung. Dort finden sich Checklisten und Empfehlungen für Haushalte, um für Krisensituationen besser vorbereitet zu sein.