“Absicht und Wille sind vorhanden“

Bürgerversammlung: OB spricht sich für neues Kombibad aus

veröffentlicht am 26.09.2019

Das Interesse war auch in diesem Jahr groß: Etwa 400 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Bürgerversammlung in der Memminger Stadthalle teil. Fotos: M. Geiger

Memmingen (as). Prall gefüllt war die Memminger Stadthalle auch bei der diesjährigen Bürgerversammlung unter dem Motto „Stadt im Dialog“. Gemeinsam mit der Amtsleitern bemühten sich Oberbürgermeister Schilder und Bürgermeisterin Margareta Böckh, Lösungen für die noch offenen Fragen und Probleme der Bürger zu finden.

Oberbürgermeister Manfred Schilder.

Nachdem die Bürger/innen sich zuvor im Foyer an Infoständen der Verwaltung rund um ihre Anliegen informiert hatten, gab Oberbürgermeister Manfred Schilder den Zuhörern im großen Saal einen Überblick über den Stand aktueller Projekte und Themen wie Bahnhofsareal, Kombibad, Verkehr und Umwelt, Bildung und Kultur.

Schließung des Bewegungsbades

„Das geht gar nicht!“ – hitzige Diskussion löste bei der nachfolgenden Diskussion mit den Bürgern die Schließung des Bewegungsbades im Memminger Klinikum aus. „Gehbehinderte Menschen können nicht an all dem teilnehmen, was in Memmingen geboten ist“, beschwerte sich eine Betroffene. In Anbetracht der Kosten für andere Projekte könne sie nicht verstehen, dass die für die Badsanierung nötige halbe Million Euro nicht aufzubringen sei.

Maximilian Mai, Verwaltungsleiter des Klinikums, führte an, dass das Nutzungsentgelt die Betriebs- und Personalkosten nicht decke und zu wenig Patienten des Klinikums das Bad nutzen. „Wir nehmen die Betroffenheit der Nutzer war“, versicherte Oberbürgermeister Schilder. Die Stadt sei dabei, eine Alternative zu finden. Mehr dazu wisse man nach der Entscheidung im Klinik Senat am 26. September. „Wir werden das Bad nicht schließen, ohne eine Alternative zu haben“, versprach Bürgermeisterin Margareta Böckh, die die Veranstaltung moderierte.

Kinder im Straßenverkehr

Ein weiteres Thema, das die Bürger beschäftigte, war die Sicherheit ihrer Kinder im Straßenverkehr. Florian Frey kritisierte, dass eine Überquerung des Hindenburgrings im Bereich der Stadtweiherstraße für Schüler zu den Hauptverkehrszeiten lebensgefährlich sei. Es gebe an dieser Stelle kein auffälliges Unfallverhalten, hielt Birgit Haldenmayr vom Straßenverkehrsamt dagegen. Oberbürgermeister Schilder versprach eine wohlwollende Überprüfung an dieser „gefährlichen Ecke“, erinnerte jedoch auch daran, dass gegenseitige Rücksichtnahme oberstes Gebot im Straßenverkehr sei.

Andere Eltern machen sich Sorgen über die Querung der Straße vor der Elsbethenschule. Eine Mutter schlug vor, eine Druckknopf-Ampel statt des Zebrastreifens zu installieren, was Thomas Schuhmaier von der Stadtverwaltung für keine optimale Lösung hielt. Man wolle den Sachverhalt jedoch prüfen und überlegen, ob mehr Schulweghelfer eine Lösung seien.

Kombibad: „Bitte handeln Sie!“

Einige Bürger plädierten nachdrücklich für den Bau des geplanten Kombibades für 41 Millionen Euro. „Ein neues Bad macht die Stadt attraktiver und lebenswerter“, sagte eine Besucherin, „bitte handeln Sie!“. Beim Rathauschef rannten sie offene Türen ein, denn auch in Schilders Augen ist ein Neubau, der den großen Baumbestand integriere und erhalte, die bessere Variante. “Absicht und Wille sind vorhanden, wir wissen, dass Sie darauf warten“, so der OB.

Entwicklung Bahnhofsareal

Ein weiteres Schwerpunktthema war die Entwicklung des Bahnhofsareals. Seit dem Bürgerentscheid im Mai halte sich die Stadt zu dem Thema bedeckt, monierte eine Zuhörerin. Schilder wies darauf hin, dass am 6. November eine Bürgerwerkstatt stattfindet. Er freue sich auf aktive Beteiligung und viele Ideen der Bürger, so Schilder „der Prozess ist noch lange nicht zu Ende“.

Anregend in diesem Zusammenhang sei die Informationsfahrt des Stadtrats zur Bundesgartenschau in Heilbronn gewesen. Der auf dem Gelände umgesetzte Stadtentwicklungsplan könne auch ein Vorbild für Memmingen sein, so Schilder (Bericht folgt).

Klima- und Artenschutz

Forstamtsleiter Stefan Honold.

Von städtischer Seite setzte man nicht zuletzt angesichts der „Fridays vor Future“-Initiative das Thema „Umwelt“ in den Vordergrund. Forstamtsleiter Stefan Honold und der Radfahrbeauftragte Urs Keil schilderten in Kurzvorträgen zu Klima- und Artenschutz, was die Stadt Memmingen unternimmt, um durch Erhalt und Schutz der Umwelt eine "lebenswerte Zukunft zu sichern".

Anhand von Bildern zeigte Honold Ausgleichsflächen und Biotope, sprach über Erhalt und Pflege des alten Baumbestands der Stadt und erläuterte die vielfältigen überlebenswichtigen Funktionen des Waldes, gerade im Kampf gegen den Klimawandel. Er betonte außerdem, dass die Stadt bei Pflege der städtischen und Anlagen fast komplett auf Chemie verzichte und Glyphosat in Memmingen seit über 30 Jahren nicht mehr verwendet würde. Zum Abschluss gab er den Zuhörern Tipps für eine natur- und artenfreundliche Gartenpflege.

„Fahrradstadt Memmingen“

Radfahrbeauftragter Urs Keil.

Der Radfahrbeauftragte der Stadt Urs Keil referierte zum Thema „Fahrradstadt Memmingen“. Im Städtle läge der Radverkehrsanteil heute bereits bei 25 Prozent wohingegen er in Bayern insgesamt bei lediglich 10 Prozent stagniere, so Keil. In Wort und Bild arbeitete er die Vorteile des Radfahrens gegenüber dem Auto heraus und kam dabei zu dem prägnanten Schluss: Radfahren verbrennt Fett und spart Geld, beim Autofahren verhalte es sich andersherum.

Die Stadt habe in den vergangenen Jahren viel für die Förderung des Radverkehrs getan. „Aus sämtlichen Ortsteilen gibt es Radwege in Richtung Innenstadt“, der Illerradweg und die Radrunde Allgäu seien touristisch interessante und überregional bekannte Radrouten, die durch Memminger Gebiet verlaufen. Zum Abschluss gab er sprach er noch Konfliktpunkte an wie das Radfahren auf dem Gehweg oder das Geisterradeln und plädierte an die Besucher, weiterhin kräftig in die Pedale zu treten.

Das Kinderparlament

Bürgermeisterin Margareta Böckh stellte einige der Kindervertreter aus Memminger Schulen vor, die im Rathaus regelmäßig im Kinderparlament ihre Themen vorbringen. In der nächsten Sitzung des Kinderparlaments am 28. November geht es um eine kinderfreundliche Fußgängerzone.

Einige der Kinderparlamentarier stellten sich bei der Bürgerversammlung vor. Foto: Sonnleitner