Neben Benedict von Herman werden auch andere Memminger Händlerfamilien vorgestellt, die Wirtschaft und Gesellschaft der Reichsstadt prägten. Fotos: Antje Sonnleitner
Memmingen (as). Mit der Ausstellung „Barock, Bombasin und Bonbons“ präsentiert das Stadtmuseum Memmingen im Rahmen des Barockjahres eine ebenso unterhaltsame wie informative Reise in die Welt des 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen neue Waren, internationale Handelsbeziehungen und die überraschend große Rolle Memmingens im europäischen Handel der Barockzeit.
Die Ausstellung macht deutlich, wie sehr globale Handelsströme bereits damals das Leben der Menschen beeinflussten. Kaffee, Kakao, Zucker, Gewürze oder feine Stoffe gelangten über Handelswege von Venedig über Memmingen bis nach Amsterdam und veränderten Konsum, Mode und Alltagskultur nachhaltig.
"Eine Zeit des Wandels"
Museumsleiterin Regina Gropper bezeichnete die Ausstellung bei der Vernissage als Reise in „eine Zeit des Wandels, der globalen Handelsbeziehungen und neuer Genusskulturen“. Der Titel verweist dabei bereits auf zentrale Themen der Schau: Bombasin war ein moderner Mischstoff aus Baumwolle und Seide oder Wolle, Bonbons stehen symbolisch für die neue Zucker- und Genusskultur des Barock.
Die Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, Geschichte mit allen Sinnen zu erleben. Stoffe können ertastet, Düfte erschnuppert und an einer Selfie-Station barocke Kleidungsstücke ausprobiert werden. Besonders Familien und jüngere Gäste erhalten dadurch einen anschaulichen Zugang zur Epoche.
Eine Perücke im Käfig: Im Barock pickten kleine Vögel Parasiten aus dem aufwendigen Kopfputz ihrer Besitzer.
Die „Memminger Fuhr“
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Memmingens Bedeutung als Handelsstadt. Ein Film erläutert die Handelswege und die sogenannte „Memminger Fuhr“, die Waren zwischen Nordsee und Mittelmeer transportierte. Historiker Magnus Ressel sprach bei der Ausstellungseröffnung sogar von einer „Memminger Übermacht“. Kurbayern und das Hochstift Würzburg hätten gemeinsam mit der Reichsstadt Augsburg darüber beraten, „wie man Herman entgegentreten könne“. Die von ihm organisierte „Memminger Fuhr“ habe die süddeutsche Handelswelt nachhaltig verändert und vielerorts zum Ausbau von Straßen sowie zu Zollsenkungen geführt.
Von Memmingen nach Venedig: Benedict von Herman
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Benedict von Herman, einer der erfolgreichsten Kaufleute seiner Zeit. Der gebürtige Memminger baute in Venedig eine bedeutende Handelsfirma auf und wurde zu einem der reichsten Unternehmer Europas. Seine Geschichte zeigt exemplarisch, wie eng lokale Wirtschaft und internationale Handelsnetzwerke bereits im Barock miteinander verbunden waren.
Neben Herman rückt die Ausstellung auch weitere bedeutende Memminger Händlerfamilien in den Blick, darunter die Zoller, von Wachter, Grimmel oder Ruprecht. Ergänzt wird die Schau durch eine Medienstation sowie ein neu gestaltetes Museumskabinett mit Objekten aus der barocken Sammlung des Hauses.
Auch der Hermansbau selbst wird Teil der Ausstellung: Das prachtvolle Gebäude von 1766 bildet die ideale Kulisse für eine Epoche, die von Luxus, Weltläufigkeit und gesellschaftlichem Aufstieg geprägt war.
„Barock, Bombasin und Bonbons“ zeigt eindrucksvoll, dass Globalisierung keine Erfindung der Gegenwart ist. Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng Memmingen bereits vor Jahrhunderten mit Europa und der Welt verbunden war.