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Historisch belastete Straßennamen

Überprüfung in Memmingen läuft seit 2022

veröffentlicht am 03.07.2024
2024-06-25_Kommission-Straßennamen_01

Über den Umgang mit historisch belasteten Straßennamen und Ehrenbürgerschaften wurde auch auf dem Podium diskutiert, von links: Moderatorin Doris Bimmer (Bayerischer Rundfunk), Dr. Andreas Heusler (Referat Erinnerungskultur, Stadt München), Prof. Dr. Martina Steber und Jan Rothenbacher. Foto: A. Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen

Memmingen (dl). Seit 2022 werden auch in Memmingen historisch belastete Straßenbenennungen sowie verliehene Ehrenbürgerwürden untersucht. Über die Vorgehensweise und Kriterien der Überprüfung gab es nun einen öffentlichen Vortrag im Antoniersaal.

Eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema sei notwendig, entschied der Memminger Stadtrat vor rund eineinhalb Jahren und gründete eine „Kommission zum Umgang mit historisch belasteten Straßennamen und Ehrenbürgerwürden“.

„Erscheinen einzelne Epochen der Geschichte in einem neuen, kritischen Licht, können Straßenbenennungen wie aus der Zeit gefallen wirken. Dann werden sie problematisiert und müssen neu verhandelt werden. Das passiert gerade landauf, landab“, erklärte Prof. Dr. Martina Steber vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Augsburg und fügte hinzu: „Solche Straßennamendebatten sind eine Chance für die Erinnerungskultur. Sie sollte genutzt werden.“

Dass Diskussionen zur möglichen Umbenennung von konkreten Straßennamen jedoch auch emotional geführt werden, zeigten mehrere Beiträge aus dem Publikum. „Wir brauchen eine sorgfältige wissenschaftliche Forschung zu den bestehenden Straßennamen als Grundlage für die Diskussion“, betonte Oberbürgermeister Jan Rothenbacher.

Prüfung von 300 Namen

Der Fokus der Forschung der Kommission in Memmingen liege zunächst auf der Zeit des Nationalsozialismus, informierte Stadtarchivar Christoph Engelhard. Von 736 Straßen in Memmingen seien rund 300 nach Personen oder Ereignissen benannt. Zur Überprüfung werden Unterlagen in Archiven eingesehen, beispielsweise die Spruchkammer- und Justizakten der Staatsarchive Augsburg und München oder Unterlagen der NSDAP-Kreisleitung Memmingen. Auch im Memminger Stadtarchiv werden wichtige Quellen ausgewertet. Zu jedem Straßennamen werden Informationen zusammengetragen zu Lebenszeit und Beruf/Funktion, zur politisch-gesellschaftlichen Betätigung und Haltung vor, während und nach der NS-Zeit, zur Entnazifizierung, zu eigenen Stellungnahmen, Verdiensten und Auszeichnungen. Neben den Straßennamen werden auch Ehrenbürgerwürden überprüft - wobei die Ehrenbürgerwürde mit dem Tod der Person endet.