Massive Ausgangsbeschränkungen in Bayern

Öffentliches Leben kommt nahezu zum Stillstand

veröffentlicht am 20.03.2020

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verkündete massive Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens. Bildschirmfoto: DL/Radeck

München (dl). Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat auf einer Pressekonferenz in München drastische Ausgangsbeschränkungen für Bayern verkündet und rückt damit ziemlich scharf an die Schmerzgrenze der Bevölkerung heran. Die tief einschneidenden Maßnahmen gelten demnach ab 0 Uhr Freitagnacht. Zunächst sollen die von der Regierung einstimmig beschlossenen Regeln für 14 Tage gelten.

"Wir fahren das öffentliche Leben nahezu vollständig herunter", sagte Söder, sagt aber auch: "Wir sperren Bayern nicht zu, wir sperren Bayern nicht ein". Er begründete den drastischen Schritt mit der massiven Zunahme der Corona-Fallzahlen in Bayern. Allein die Zahl der Toten sei von Donnerstag bis heute von 10 auf 15 gestiegen.

Freistaat in Deutschland Vorreiter

Damit ist der Freistaat in Deutschland Vorreiter und steht (momentan noch) allein da. "Aber", so Söder, "es ist keine Zeit mehr für langwierige Abstimmungsprozesse und halbherziges Handeln." Er verweist darauf, dass die Appelle der letzten Tage nicht ausreichend befolgt worden seien. Viele Menschen verhalten sich zwar vorbildlich, aber es gebe auch viele, die den Ernst der Lage noch nicht verstanden hätten. Wenn kein stärkeres Eingreifen erfolge, seien dramatische Infektionswellen zu erwarten: "Ich sage für Bayern: Es entwickelt sich nicht gut. Wir dürfen nicht zögern." Um ähnliche Zustände wie in Frankreich oder Italien zu vermeiden, müsse gehandelt werden, um die Welle der Infektionen zu brechen.

Die Staatsregierung ordnet daher ab Mitternacht "grundlegende Ausgangsbeschränkungen" an und fordert die Bürger auf, zuhause zu bleiben. Immer noch gebe es Corona-Partys, junge Leute, die Ältere aus Spaß anhusten oder Grüppchenbildung an der frischen Luft. "Unser oberstes Gebot ist, die Menschen zu schützen", sagte Söder, "teilweise auch vor sich selbst".

Klare Regeln gegen die Unvernunft

"Für die Unvernünftigen gibt es nun ein klares Regelwerk": Die Gastronomie werde ab morgen bis auf Drive-In- oder "to-go"- Betriebe geschlossen. Sport oder Spazierengehen ist nur allein oder mit der Familie möglich: "Keine Gruppenbildung, keine Partys, keine größeren Menschenansammlungen." Noch weiter gehende Maßnahmen schloss Söder nicht aus.

Mit der Entscheidung steht Bayern bislang allein da. Es sei keine Zeit mehr für langwierige Abstimmungsprozesse und halbherziges Handeln, sagt Söder. Dennoch, für einige Dinge darf das Haus bzw. die Wohnung verlassen werden:

  • Um zur Arbeit zu gehen
  • Dringende Arztbesuche
  • Nur im Palliativfall ist der Besuch im Pflegeheim und Krankenhaus erlaubt
  • Auch der Besuch kranker Kinder im Krankenhaus soll erlaubt sein
  • Bei Geburten sei der Besuch im Krankenhaus ebenso gestattet.