Die Lokale Memmingen
Gefro AOK Brommler Enerix Golfclub Memmingen Innoverta Landestheater Schwaben Cineplex Kaminwerk Memmingen FC Memmingen Rechtsanwalt Philipp Hacker Radio AllgäuHit

„Wir werden von Laien regiert"

Der FDP-Landtagskandidat Albert Duin fordert eine mutigere Politik

veröffentlicht am 14.07.2018
Albert Duin

Er provoziert gern und spricht aus Erfahrung und Überzeugung: Der bayerische FDP-Landtagskandidat Albert Duin. Fotos: Sonnleitner

Albert Duin

Humorvoll und kämpferisch: Albert Duin will kräftig zubeißen. 

Ottobeuren (as.) „Starke Wirtschaft nur mit starkem Mittelstand“,  betitelte der ehemalige Landesvorsitzende der FDP Bayern, Albert Duin, seinen Vortrag im Gasthaus „Zum Mohren“ in Ottobeuren. Auf Einladung der FDP-Kreisverbände Memmingen und Unterallgäu sprach der Landtagskandidat und mittelständische Unternehmer über die Probleme der Wirtschaft mit einem  "bürokratiewahnsinnigen" Staat.

„Ich will provozieren, will, dass die Leute sich aufregen“, erklärt der in seiner Partei umstrittene Albert Duin, der Spitzenkandidat werden wollte, jetzt aber auf Platz zwei der oberbayrischen Wahlkreisliste steht. Dem gemäß eröffnet Duin seinen frei gehaltenen Vortrag mit heftiger Kritik an der Regierung:

„Wir werden von Laien regiert, von Leuten, die Entscheidungen treffen, von deren Auswirkungen sie nie selbst betroffen sind. Vom Kreißsaal in den Hörsaal und dann in den Plenarsaal, ohne mal was gearbeitet zu haben“, beschreibt der Referent sarkastisch die Karriere vieler Politiker. „Die kennen sich nicht aus. Ich kenne und verstehe die Bedürfnisse der Menschen nicht nur aus der Theorie, sondern aus eigener praktischer Erfahrung“, hält der mittelständische Münchner Unternehmer dagegen.

Wichtigste Aufgabe der Politik sei es, die Eigenverantwortung zu fördern anstatt „jeden zum Futtertrog hin zu tragen“, plädiert der gelernter Elektrotechniker und Betriebswirt, der für das duale Studium wirbt und der praktischen Intelligenz neben dem gesellschaftlich gepriesenen Akademikertum einen hohen Stellenwert einräumt.

Unternehmer sollen in eigenen Betrieben ausbilden

Mehr Eigenverantwortung fordert er auch von den Unternehmern: Statt über den Fachkräftemangel zu jammern, sollten die Unternehmen selbst ausbilden und nicht nur „vom Markt abwischen, was an gut ausgebildeten Leuten da ist“, sagt der Gründer und Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens.

Der "Ketzer mit der großen Klappe aus Ostfriesland“ empfiehlt sich als Praktiker, als Macher der mit gesundem Menschenverstand vor allem gegen den deutschen Bürokratiewahn vorgehen will. „Wir leben in einem Bürokratiewahnsinn und sind süchtig nach Zertifikaten“,  kritisiert der Landtags-Direktkandidat die Last von Gesetzen und Verordnungen, die dem deutschen Mittelstand das Leben schwer macht.

Ungerecht sei auch, dass Rentnern, die weiterhin arbeiten wollen, die Rente gekürzt werde. Als unsinnig und unfair kritisierte er auch die Regelung beim Mindestlohn: "Den Mindestlohn zu erhöhen macht nur Sinn, wenn der Freibetrag angehoben wird", derzeit profitiere nur der Staat, denn zwei Drittel der Erhöhung einkassiere, so der „Wirtschaftsliberale mit sozialem Touch“, wie Duin sich selbst beschreibt.

in diesem Zusammenhang prangerte der Landtagskandidat die Bürokratie auch im „verlotternden“ Gesundheitswesen, vor allem in der Altenpflege, an: Die  Dokumentationspflicht vereinnahme etwa 70 Prozent der Arbeitszeit eines Altenpflegers. Nur ein Drittel der Arbeitszeit bleibe für die zu pflegenden Menschen übrig.

Steuerrechtliche Fallstricke erschweren Praktika für Flüchtlinge

Zu viele bürokratische Hürden und zu wenig Vertrauen in die Eigenverantwortung der Menschen verschärften auch das Flüchtlingsproblem, erklärt der Unternehmer, der selbst fünf Flüchtlinge "durchs Praktikum geschleust hat". Einem syrischen Praktikanten konnte er nicht mal die Straßenbahnkarte zahlen, "denn das wäre zu versteuerndes Einkommen gewesen“ beschreibt er die steuerrechtlichen Fallstricke.

Flüchtlinge gelte es aber so schnell wie möglich zu integrieren, vor allem durch einen Arbeitsplatz. "Es gibt in Massen Leute, die unsere Art zu leben akzeptieren und fleißig sind. Doch wir zahlen lieber Sozialleistungen, anstatt es den jungen Leuten zu ermöglichen, selber in die Sozialsysteme einzuzahlen", bemängelte der Freie Demokrat, der sich den Bürokratieabbau auf die Fahne geschrieben hat.

Im Vordergrund der Flüchtlingspolitik sieht Duin jedoch die „Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort“: „Das Problem ist nur in Nordafrika bzw. den arabischen Herkunftsländern zu lösen.“ Duin erinnert an den Ursprung der Flüchtlingswelle. „Die Leute haben sich auf den Weg gemacht, weil die Mittel des Flüchtlingshilfswerk UNHCR gekürzt wurden. „Diese Menschen wollen gut leben, so wie wir", wirbt er für Verständnis.

„Nicht reden, machen!“

„Ich werde jeden Tag den Finger in die Wunde legen“, versichert der ehemalige Landesvorsitzende, der mit dem Slogan: „Nicht reden, machen!“ für sich wirbt, seinen Zuhörern schließlich kämpferisch,

„Die Angst geht um, jeder hat immer nur Angst“ - Angst, Neues zu probieren, Fehler zu machen und eventuell nicht wieder gewählt zu werden - entlarvt Duin ein Grundproblem aktueller Politik. Diese Sorge treibt den 64-Jährigen nicht um: „Ich will mit 70 nicht wieder gewählt werden, ich kann‘s mir leisten, ich selbst zu sein. Der Kandidat ist überzeugt: „Nur wer sich zu erkennen gibt und aus innerer Überzeugung heraus handelt, wird wiedergewählt.“

Die Angst bei der CSU angesichts sinkender Zustimmungswerte jedenfalls sei gewaltig. "Es gibt nur einen Weg: den Liberalen", empfiehlt Duin die FDP als Koalitionspartner.