Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Rhythmusstörungen und ihre lebensbedrohlichen Folgen

veröffentlicht am 03.12.2018

Sprach im Rahmen der diesjährigen Herzwoche vor rund 200 Interessierten über Herzrhythmusstörungen und ihre Folgen: Chefarzt Professor Dr. Andreas May vom Klinikum Memmingen. Foto: Häfele/Pressestelle Klinikum Memmingen

Memmingen (dl). „Vorhofflimmern ist nicht direkt lebensbedrohlich, kann unbehandelt aber schwerwiegende Folgen haben“, warnte Kardiologie-Chefarzt Prof. Dr. Andreas May die rund 200 Zuhörer, die im Rahmen der diesjährigen Herzwoche der Deutschen Herzstiftung zu einer Informationsveranstaltung ins Klinikum Memmingen gekommen waren.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Laut Chefarzt Prof. Dr. Andreas May von der Medizinischen Klinik I am Klinikum Memmingen leiden rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland unter der Erkrankung. Und mit steigendem Lebensalter nehme die Wahrscheinlichkeit rapide zu: „Bei den über 80-Jährigen sind rund zehn bis 15 Prozent betroffen.“

Grund für das Flimmern, also die ungeordnete und schnelle Erregung der Vorhöfe, sei eine gestörte Reizbildung und Erregungsleitung in den Herzvorhöfen. Dabei könne Vorhofflimmern anfallsweise oder dauerhaft auftreten: „Es kann wenige Minuten andauern, Stunden oder Tage, oder auch kontinuierlich anhalten.“

Bei anfallsartig auftretendem Flimmern sei es schwierig, die Erkrankung zu erkennen. „Viele Patienten merken gar nicht, dass sie an Vorhofflimmern leiden, weil sie keinerlei Beschwerden haben.“ Und auch wenn, seien die Symptome der Erkrankung sehr unspezifisch: Angst, Atemnot, Schweißausbrüche oder Schwindelgefühl.

„Hilfreich ist es, den Puls am Handgelenk selbst zu ertasten und zu prüfen, ob er regelmäßig oder unregelmäßig schlägt.“ Tritt das Vorhofflimmern anfallsartig auf, könne es mithilfe eines Langzeit-Elektrokardiogramms (EKG) erkannt werden, welches die Herzaktivität über einen Zeitraum von 24 Stunden bis hin zu sieben Tagen aufzeichnet.

Vorhofflimmern erhöht Schlaganfallrisiko

Vorhofflimmern sei zwar zunächst nicht akut lebensbedrohlich, aber langfristig könne es das Herz schwächen und das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. „20 bis 30 Prozent aller Schlaganfälle gehen auf die Erkrankung Vorhofflimmern zurück“, so Chefarzt May. Denn es können sich Blutgerinnsel im linken Vorhof bilden, welche über den Blutstrom in den Kopf gelangen und dort ein Hirngefäß verstopfen „Ein Schlaganfall kann beim Patienten schwere Schäden hinterlassen und sogar lebensbedrohlich sein.“ 

Vor einem Schlaganfall schützen könnten sogenannte Gerinnungshemmer, die das Blut verdünnen. Allerdings müsse man hier Nutzen und Risiko abwägen. „Denn bei blutverdünnenden Medikamenten sinkt zwar das Schlaganfallrisiko, aber es steigt natürlich das Blutungsrisiko.“ Beim Großteil aller Patienten überwiege allerdings der Nutzen deutlich im Vergleich zum Blutungsrisiko.

Für Patienten, die keine Gerinnungshemmer vertragen, könne auch mit einer Art Stöpsel das sogenannte Vorhofohr im Herzen verschlossen werden. Denn in diesem Herzohr können sich laut May die gefährlichen Blutgerinnsel ausbilden.

Therapie von Vorhofflimmern

Bei der Therapie von Vorhofflimmern sei es zunächst wichtig, die Ursache zu finden und zu behandeln. „Das kann Übergewicht sein, Bluthochdruck, Diabetes, eine Herzkrankheit oder Herzklappenerkrankung, Schilddrüsen- und Nierenerkrankungen“, zählt May auf. Auslöser könnten dann Schlafmangel, Stress, Alkohol- oder Kaffeegenuss sein.

Um den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen gebe es verschiedene Medikamente. Die bekanntesten und am häufigsten angewendeten seien sogenannte Betablocker. „Sie haben auch die geringsten Nebenwirkungen.“ Auch mit einem Elektroschock, also einem gezielt zugeführten Stromschlag, auch genannt „elektrische Kardioversion“, könne der normale Rhythmus des Herzens wiederhergestellt werden.

Die effektivste Methode, ein erneutes Auftreten von Vorhofflimmern dauerhaft zu verhindern, sei die sogenannte Katheterablation. Hierbei werde das Gewebe an der Mündung der Lungenvenen in den Vorhof, also dort, wo das Vorhofflimmern seinen Ursprung hat, mit Hilfe eines Katheters verödet. „Dies kann mit Kälte oder Strom passieren. Dann entstehen an dieser Stelle Narben, so dass hier keine elektrischen Störimpulse mehr entstehen können.“

Unterschätzt werde in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung von regelmäßiger Bewegung und Sport: „Regelmäßiges Ausdauertraining kann das Risiko erneuter Vorhofflimmeranfälle deutlich senken und beugt auch der Entwicklung von Vorhofflimmern vor“, betonte May am Ende der Veranstaltung.